Hungertücher – Ausstellungseröffnung im Mauerwerk

8. September 2014

Eine kleine, feine Ausstellung mit sechs Hungertüchern ist noch bis zum kommenden Wochenende im Mauerwerk in Herrenberg für alle Interessierten täglich ab 17:00 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung wurde von Eberhard Nestle eröffnet. Marianne Eder erklärte eindrücklich die Geschichte der Hungertücher und begeisterte die Besucher mit ihrem erstaunlich umfangreichen Wissen über die Künstler und die Bedeutung der einzelnen Symbole und Bilder auf den Tüchern.

Hungertücher, Fastentücher nannte man schon vor mehr als 1000 Jahren die großen Tücher, die am Aschermittwoch in den Kirchen vor den Altarraum gehängt wurden. Das „Tuch der 40 Tage“ sollte diesen Bereich der Kirche mit dem Altar, seinen Bildern und oft auch den Reliquien vor den Augen der Gläubigen verhüllen. So konnte die Gemeinde die Liturgie und das heilige Geschehen am Altar nur noch hörend verfolgen. Damit kam zum körperlichen Verzicht in der Fastenzeit auch ein geistlich-seelischer. Zunächst war das Hungertuch ein symbolischer Vorhang aus einfarbigem Stoff, meistens aus Leinen. Später begann man damit, solche Tücher gemeinsam in mühevoller Handarbeit zu fertigen und reich mit Bildern zu versehen bzw. zu bemalen. Das kirchliche Hilfswerk MISEREOR belebte 1976 diese alte fast vergessene Tradition der Hungertücher wieder. Im Rahmen der Entwicklungsarbeit sollte deutlich werden, dass es nicht nur um finanzielle Hilfe gehen darf in der Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch um partnerschaftlichen Austausch. Inzwischen sind kunstvolle Fastentücher in Afrika, Asien und Lateinamerika entstanden. Sie ermöglichen uns als „Botschaft von draußen“ die Begegnung mit dem Leben und dem oft so ansteckenden Glauben der Menschen und Christen anderer Kulturen und anderer Kontinente. Eine Sammlung von nun bunt und in verschiedenen vor allem afrikanischen Ländern gestalteten Hungertüchern in Herrenberg soll durch eine Ausstellung an verschieden Orten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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